Die "fotogruppe-ffm" zeigt im Kunstcafé Schopenhauer neue Perspektiven der Einkaufsstraße im Frankfurter Osten
Von Philipp Schläger
FRANKFURT-OST. "Es gibt keine Alternative!", verkündet das Graffiti an der Mauer des Bethmannparks. Daneben steht ein großes gelbes Verkehrsschild, das Autofahrern den Weg zur Messe, zum Palmengarten und zur Alten Oper weist. Nur bei genauerem Hinsehen entdeckt man darunter das kleine schmale Straßenschild "Berger Straße", das in die entgegengesetzte Richtung zeigt. Das Graffiti ist mittlerweile wieder entfernt worden. Festgehalten hat es die Volkswirtin Barbara Böhnlein in ihrem Foto: "Berger Str.1".
Das Foto bildet zugleich den Anfang der Ausstellung "3 km Berger", die die "fotogruppe-ffm" derzeit im Café Schopenhauer präsentiert. Die zehn engagierten Fotografen, die sich 1977 in einem Foto-Kurs der Volkshochschule kennen lernten, liefen mit ihrer Kamera gemeinsam die Berger Straße ab und hielten die lebendige und abwechslungsreiche Atmosphäre der Einkaufsstraße fest. Die insgesamt 16 Fotos, mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiß, tragen als Titel stets die Hausnummer, in deren unmittelbaren Umgebung das Foto entstanden ist.
So blickt auf Höhe der "Berger Str. 177" ein vorbeieilender Jugendlicher für einen kurzen Moment in die Kamera von Petra Schmucker. Das junge Gesicht ist eingerahmt von den großen Schriftzeichen der Reklametafel des Berger Kinos, die sich zugleich in der Scheibe eines vor ihm parkenden Autos wieder spiegeln.
Die Schwarz-Weiß-Aufnahme von Maria Martis widmet sich der vielseitigen und kontrastreichen Architektur der Berger Straße. Das Foto mit dem Titel: "Berger Str. 352" zeigt die Fassade eines Fachwerkhauses, hinter dem ein Wohnkomplex im Stil eines Plattenbaus der sechziger Jahre hervorragt.
Den Fotografen ist es wichtig, sich ernsthaft mit ihrer Umgebung auseinander zu setzen. "Wir haben einen semi-professionellen Anspruch", so Böhnlein. Die Fotografen treffen sich regelmäßig zum Stammtisch im Café Schopenhauer und besprechen ihre Fotoarbeiten, planen und organisieren Ausstellungen. Zum Beispiel über das ehemalige Industriegebiet am Osthafen und über den neuen ICE-Bahnhof am Flughafen.
Ihr jüngstes Projekt, ein Porträt der Berger Straße, überraschte auch die Fotografen: "Ich dachte immer, dass ich die Berger Straße gut kenne. Erst beim Fotografieren fiel mir auf, wie anders sie in Wirklichkeit ist", meinte Thomas Spahn, Consultant in der IT-Branche und von Anfang an in der Gruppe aktiv. Er will den Blick für "Sachen die schon immer da sind, die man aber nie wahrgenommen hat", schärfen.
Dass die engagierten Fotografen mit ihrer Ausstellung den Blick schärfen, bestätigte auch ein Besucher: "Die Bilder zeigen, was man zwar kennt, aber bisher so noch gar nicht gesehen hat."
Die Ausstellung "3 km Berger" im Kunstsalon
Café Schopenhauer, Schopenhauer Straße 7, 60316 Frankfurt,
Telefonnummer 49 71 66 ist bis zum 31. Mai zu sehen. Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt
ist frei.
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Rundschau 2002
Dokument erstellt am 02.05.2002
um 00:00:40 Uhr
Erscheinungsdatum 02.05.2002